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NATURHOTEL FORSTHOFGUT

NATURE SELLS

Green Hospitality ist, den Menschen inneren Raum geben. Mit dieser einfachen Formel bereiten sich viele Luxushotels auf ein Überleben in der Zukunft vor. Unsere THE FRANKFURTER-Hospitality-Expertin Isabella Owen unternahm eine Reise ins österreichische Leogang, wo ein Leader unter den Naturhotels zeigt, wie man Gäste zu Fans macht.

Früher war Luxus: maximale Sterne und Kronleuchter. Schon vor dem monatelangen Stillstand machte sich der Hotellerie ein grundlegender Wertewandel bemerkbar, dahingehend: wahrer Luxus schreit nicht, er flüstert nicht - wahrer Luxus erzählt eine unverwechselbare Geschichte und er ist möglichst nachhaltig, denn der Gast will mit gutem Gewissen im Gepäck verreisen. Wer nach dem Geheimnis einer extremen Wertschöpfung sucht, findet es hier. Die Generation "Neo Luxury" will nicht auf hochqualitative Dinge und Erlebnisse verzichten, aber der Konsum von Luxus soll nicht im Konflikt mit der Natur und dem Miteinander stehen. Soweit, so löblich. Stillstand im Stillstand? Nicht bei Fünf-Sterne-Hotels, die routinierte Rebellen sind oder aus ihrer Historie gelernt haben, nur durch Häutungen zu überleben und daher nach dem Motto handeln: Jetzt erst recht!
Räucherlachs ist ein Umweltsünder, das passt nicht zu uns. Bianka Bitter
Das Naturhotel Frosthofgut im Salzburger Land ist so ein beweglicher Hochkaräter, über 400 Jahre steht der Kern des Ensembles am Fuße der Leognger Steinberge. Statt in Schockstarre zu verfallen, wurde wieder Neues kreiert. Visionär: Der urtümliche Wald war nie nur schmückendes Beiwerk, sondern, lange vor dem Trend des Waldbadens, das atmende Herz des Hauses. Europas erstes Wald-Spa ist hier beheimatet und Umwelt- und Ressourcenschutz werden im Hotelbetrieb auf die Spitze getrieben, wohlwissend, dass der Gast Greenwashing spätestens am Frühstücksbuffet durchschauen würde. In einem exklusiven Interview sprach THE FRANKFURTER mit der Eigentümerfamilie über konsequente Nachhaltigkeit und warum der eigene Weg perspektivisch der richtige ist.

QUANTUM LEAPS

2006 mit erst 22 Jahren, übernahm Christoph Schmuck in fünfter Generation den elterlichen Hotelbetrieb, ein Alter, in dem viele noch nicht sicher sind, wohin das Leben führen soll, geschweige denn, es wagen, eine so große Verantwortung zu übernehmen. Genau dieser Mut, gepaart mit dem Gespür für Trends wie sie auch frühere Frosthofgut-Generationen bewiesen, ist der Schlüssel dafür, dass der Österreicher mit seiner Frau Christina Maria nicht nur Hotelier, sondern auch ein Pionier aus Leidenschaft ist.

Liebe Familie Schmuck, trotz eines schwierigen Jahres wagen Sie einen mutigen Schritt nach vorn: Kampagne Aufbruch. Was macht Sie so zuversichtlich?

Christoph Schmuck: "Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und das muss man auch sein als Unternehmer. Wenn an immer nur daran denkt, was passieren könnte, ist man als Unternehmer vom Mindset her nicht richtig aufgestellt. Wir erweitern derzeit unseren Wald-Spa-Bereich. Alles wird im Mai 2021 fertig sein und wir haben sehr auf die Wünsche unserer Gäste gehört."

Worauf können sich die Gäste freuen?

Christina Maria Schmuck: "Es kommt eine Kinder-Wasserwelt. In der Kinderbetreuung gibt es ein Eltern-Kinder-Zimmer für Familien mit Kleinkindern. Unser Badesee wird viermal so groß wie zuvor, zwei zusätzliche Pools, eine weitere Sauna und ein neues Restaurant am See runden das Ganze ab. Dort wagen wir etwas Neues und setzen ein asiatisches Konzept mit regionalem Einfluss um."

Was hat es mit Ihrem Bio-Siegel auf sich?

Christina Maria Schmuck: "Wir waren einst ein Bio-zertifiziertes Hotel, kamen jedoch zu dem Schluss, dass Bio nicht immer Bio ist und das konnten wir nicht verantworten. Daher stellten wir unsere eigene Zertifizierung auf. Mit dem ‚R50‘-Siegel bieten wir unsere eigenen Produktlinien an. Dies sind Produkte aus der Region im Umkreis von 50 Kilometern, daher der Name. Das ist nachhaltiger, verständlicher und greifbarer für den Gast, viel mehr als alle Zertifizierungen im Supermarkt."

Natur erlebbar machen, war schon immer Ihr Erfolgsfaktor. Authentisches statt Once-in-a-Lifetime-Erlebnisse ist hierbei wesentlich. Was bedeutet das konkret?

Christina Maria Schmuck: "Manchmal sind es die ganz ursprünglichen Dinge, die als Luxus empfunden werden. Wir haben Gäste, die lieben es beispielsweise, auf unserer Almhütte zu übernachten. Für andere sind wiederum unsere exklusiven Suiten und sicher bald auch die neuen Duplex-Lofts mit Blick auf die wunderschöne Bergwelt die Kraftorte."

Als eines der ganz wenigen Hotels im deutschsprachigen Raum arbeiten Sie erfolgreich ohne externe Buchungsportale und Reiseanbieter. Worin liegen die Vorteile?

Christoph Schmuck: "Vor ein paar Jahren hatten wir verschiedene Kooperationen, aber irgendwann störte es mich, abhängig zu sein. Wir zahlen jetzt zwar keine Provision, haben dafür Kosten für den eigenen Vertrieb und Kommunikation. Letztendlich war es der Ehrgeiz und die Motivation, ein so begehrenswertes Produkt zu schaffen, dass die Gäste, die zu uns kommen möchten, uns auch direkt und nicht über Dritte kontaktieren müssen, wir sind sehr zufrieden damit."

Leogang ist eine der führenden Mountainbike-Destinationen der Welt. Wie geht das mit Nachhaltigkeit zusammen?

Christoph Schmuck: "Der Bikepark war 2001 einer der ersten dieser Art überhaupt. Möglich wurde er nur, weil sich alle Hoteliers mit der Bergbahn zusammengetan haben und mit privatem Geld eingestiegen sind. Auch zukünftig planen wir Strecken sehr sanft und setzen sie mit Vorsicht um."

Liebe Frau Bitter, seit einem Jahr unterstützen Sie als Hoteldirektorin im operativen Bereich das Familienunternehmen Schmuck. Wie nachhaltig arbeitet das Forsthofgut hinter den Kulissen?

Bianka Bitter: "Nachhaltigkeit kommt von unseren Wurzeln als Forsthofgut. Müll ist ein Thema, das wir immer wieder aufgreifen, weil uns die Natur sehr am Herzen liegt und das Thema Nachhaltigkeit daraus wächst. Nicht nur die Mülltrennung wird in jeden Mitarbeiter gepflanzt, auch achten wir darauf, in jedem Bereich regional einzukaufen. Unser Gemüse wird in Boxen geliefert, die von den Bauern wiederverwendet werden. Der Salat wird nicht separat verpackt, das gilt auch für den Fisch. Styroporboxen werden on den Herstellern zurückgenommen und wiederverwendet. Die Holzspielsachen für den Kinderclub kaufen wir bei regionalen Partnern, die Wäscherei ist hier angesiedelt und für die Bauten wählen wir nach Möglichkeit nur regionale Partner aus."

Gibt es etwas, auf das Sie im Hotelservice verzichten, weil es nicht nachhaltig ist?

Bianka Bitter: "Räucherlachs ist ein klassisches Beispiel, weil die Gäste immer danach fragen und es von anderen Hotels kennen. Wenn wir gute Qualität bekommen, gibt es einen anderen geräucherten Fisch, aber definitiv keinen geräucherten Lachs, weil es nicht zu uns passt, denn Lachs ist generell kein nachhaltiges Lebensmittel."