MILLE MIROIRS von Design-Ikone Cyril Lancelin in Wertheim Village

Im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 („Design for Democracy – Atmospheres for a better life“) präsentiert Wertheim Village noch bis Ende August die spektakuläre Installation „Mille Miroirs“ des französischen Star-Künstlers und Architekten Cyril Lancelin.

Der Titel „Mille Miroirs“ verweist auf Spiegel – tatsächlich entfaltet sich die Arbeit als vielschichtiges Gefüge aus goldenen und silbernen Kugeln, reflektierenden Flächen und modularen Elementen. Es entstehen Durchgänge, Tore und Zonen mit Sitzmöglichkeiten. Besucher:innen bewegen sich hindurch, wechseln Perspektiven und erleben den Raum immer wieder neu.

THE FRANKFURTER: Hallo Cyril Lancelin, Ihre monumentalen Installationen sind hochfotogen und erzeugen eine Spannung zwischen Realität, Fiktion und Utopie. Warum passt „Mille Miroirs“ so gut zum Fashion Spot Wertheim Village?

Cyril Lancelin:

„Meine Arbeiten bewegen sich bewusst in diesem Zwischenraum – zwischen dem, was real ist, und dem, was wie eine Illusion wirkt. Genau daraus entsteht ihre Spannung.

Bei ‘Mille Miroirs‘ war die Entscheidung für Gold zentral.

Sichtbarkeit entsteht oft durch Kontrast. Gold zieht den Blick an – und gleichzeitig nimmt es durch seine Spiegelungen die Umgebung in sich auf. Die Installation reflektiert die Architektur, die Natur und die Bewegung der Menschen. So entsteht ein kontinuierlicher Dialog mit dem Ort. Was mich besonders interessiert: Die Installation fordert Bewegung. Sie funktioniert nicht nur frontal – man sollte sie umrunden, sich ihr nähern, Distanz herstellen, unter ihr hindurchgehen oder verweilen. Mit jeder Perspektive verändert sich das Bild. Es entsteht ein Moment der Irritation, im besten Sinne – etwas Unerwartetes, das den Betrachter für einen Augenblick aus dem Alltag herauslöst. Und man ist sich nie ganz sicher, ob man etwas Reales sieht – oder nur dessen Spiegelung.

Ich liebe die Unmittelbarkeit der Reaktionen: Menschen fotografieren, umrunden, berühren die Arbeit. Jede Begegnung ist anders. Gerade weil Wertheim Village ein öffentlicher Raum ist, entsteht hier eine Vielzahl solcher Momente – und genau darin entfaltet die Installation ihre Wirkung.“

THE FRANKFURTER: Sie kommen aus der Architektur. Wie korrespondiert die Architektur von Wertheim Village mit Ihrem Werk?

Cyril Lancelin:

„Sie spielt eine entscheidende Rolle. Was mich an diesem Ort fasziniert, ist die Dichte an visuellen Ebenen: Muster, Fassaden, Vegetation, Schaufenster. Die Spiegelungen greifen all das auf und überlagern es. Es entstehen mehrere Bildebenen gleichzeitig – Vordergrund, Hintergrund, Reflexion. Der Raum wird fluider, weniger eindeutig, immer in Bewegung. Anders als in einem Museum ist hier nichts abgeschlossen. Wertheim Village ist kein klassischer Ausstellungsraum. Die Installation ist nicht isoliert, sondern Teil eines offenen, lebendigen Systems. Sie verbindet unterschiedliche Elemente des Ortes und nimmt sie in sich auf. Gleichzeitig bleibt es ein zugänglicher, öffentlicher Raum – vertraut, aber mit genügend Spielraum für Entdeckung. Genau diese Balance finde ich besonders spannend.“

THE FRANKFURTER: Ihre Skulpturen und Installationen haben teils etwas Sakrales, Feierliches, dann wieder etwas Spielerisches. Was reizt Sie an dieser Dualität?

Cyril Lancelin:

„Ich interessiere mich für Räume, die Menschen nicht nur physisch betreten, sondern auch mental. Viele meiner Arbeiten basieren auf sehr einfachen, fast archetypischen Formen – Geometrien, Wiederholungen, klare Strukturen. Elemente, die intuitiv verständlich sind, fast wie ein visuelles Alphabet. Doch in ihrer Kombination entsteht etwas Komplexeres, oft mit einer überraschenden Tiefe. Das Spielerische ist dabei genauso wichtig wie das Feierliche. Es geht um Offenheit – um die Möglichkeit, sich einer Arbeit auf unterschiedliche Weise zu nähern: leicht und neugierig oder ruhig und reflektierend. Mich interessiert genau dieser Spannungsraum zwischen Intuition und Bedeutung, zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit. Dort entstehen die stärksten Erfahrungen. Ich möchte Räume schaffen, die man nicht nur betritt – sondern erlebt.“

Cyril Lancelin lebt und arbeitet in Lyon. Nach der Zusammenarbeit mit einigen der einflussreichsten Architekt:innen und Künstler:innen in Paris und Los Angeles beschloss Cyril Lancelin 2016, sein eigenes Kreativstudio zu gründen. Seine Werke werden weltweit ausgestellt.