LA VIE EN ROSÉ - DER PERFEKTE SOMMERWEIN

Roséweine und Prickelndes in Pink liegen voll im Trend. Unser Autor Michael Wanhoff findet das äußerst erfreulich, hat er doch beim Erkunden dieser Tendenz im Glas so manches rosa Juwel entdecken dürfen. Und weil er mit dem Motto „Drink Pink“ auch den Rest unserer Redaktion angesteckt hat, haben wir daraus sogleich eine Hommage an das Leben und die Liebe zum Genuss gemacht. Begleitet uns zu unserer kleinen, feinen Landpartie auf das wunderbare Hofgut von Hünersdorff und genießt mit uns La Vie en Rosé!

Er gilt als leicht, wirkt - trotz eines Alkoholgehalts von oftmals 13 Prozent - erfrischend leicht und duftet im Idealfall fein nach roten Beeren. Das macht ihn zum perfekten Sommerwein. Dennoch gibt es sie nach wie vor: Weinkenner, die schon beim Anblick eines Rosé die Augen rollen. Lasst Euch davon nicht beirren, bleibt cool und schenkt euch noch einen Schluck eures zwischen 7 und 12 Grad Celsius kühlen Rosé ein!

Pink (r)evolution

Nicht, dass ihr mit Fachwissen kontern müsst! Gelassenheit ist das, was diesen Wein ausmacht. Und wenn es Euch doch interessiert: Die Wiege des Rosé-Weins liegt in Frankreich. Und um Rosé-Wein zu machen, benötigt man rote Trauben. Die macht der Franzose aber viel lieber zu Rotwein. Für den Rosé-Wein blieb oft nur das faule Lesegut übrig. Nicht gerade eine schöne Vorstellung, dass quasi aus Abfall Wein gemacht wurde. Aber so war’s eben lange Zeit, und zu allem Überfluss wurde der Rosé dann auch noch lieblich ausgebaut.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Und zwar nicht erst, seit Angelina Jolie und Brad Pitt mit ihrem „Miraval Côtes de Provence“ für Aufsehen gesorgt haben. Rosé-Weine sind heute längst keine französische Bastion mehr, obgleich einige der Besten noch immer von dort stammen. Wie zum Beispiel der 2017er „Dozon Rosé Chinon” aus der Domaine Dozon (Loire). „Ein Rosé, wie wir ihn lieben! Knackig, herbe, natürliche Beerenfrucht, rote Johannisbeere, erfrischend, animierend“, beschreibt Weinexperte und Händler Armin Busch den Wein. „Andere Länder holen auf, wie etwa Italien. Mit seinem „Five Roses Salice Salentino Rosato” füllte Leone Castris einst den ersten Rosé Italiens in Flaschen ab. Das ist dolce vita pur: saftige Frucht, rote Beeren und Sauerkirsche, süffig, ein perfekter Picknick-Wein“, schwärmt Busch. Aus Italien kommt übrigens auch ein Rosé, der Frankfurter Wurzeln hat: Marco Giovanni Zanetti alias „Winepunk“ ist ein alter Bekannter der Frankfurter Gastroszene. Der studierte Diplom Sommelier und Restaurantmeister mit unverkennbar italienischen Wurzeln baut mittlerweile selbst Wein in der Mitte Italiens an. Seinen Hammelpunk 2016 bezeichnet er als „Sommer in seiner aromatischsten Form“.

A bottle of holiday

Nie war es leichter, mediterranes Lebensgefühl nach Hause zu holen, denn neben Frankreich und Italien bieten auch Spanien und Portugal spannende Rosé-Weine. Während die Spanier eher kräftig daher kommen, findet man in Portugal auch leichte, spritzige Sommerweine. Womit wir bei der Breite des Weines wären, die letztlich den Rosé auch so spannend macht. Für die Terrasse oder das Picknick im Grünen gerne einen leichten, für das Grillen einen kraftvollen Rosé, der bei warmen Temperaturen eine willkommene Alternative zum Rotwein darstellt.

Made in Germany

Ok, zugegeben, mediterranes Feeling, la dolce vita, la vie en rose - das hat schon etwas. Doch wenn es um Rosé-Wein geht, brauchen wir uns nicht zu verstecken. Deutschland gehört definitiv zur ersten Liga! Natürlich gehört Markus Schneider aus Ellerstadt/Pfalz dazu, der aus vier Rebsorten einen Rosé mit üppiger Fruchtaromatik von Brombeeren, Himbeeren und Cassis präsentiert, welcher international bestehen kann. Oder Sven Nieger, der Newcomer aus Baden, der erst 2012 sein Weingut gründete und mit seinem Riesling für großes Aufsehen sorgte. Sein Rosé aus Pinot Noir ( Spätburgunder) ist kraftvoll, würzig und perfekt für die nächste Grillparty. Ganz anders der Wein von Martin und Christoph Hammel. Neben „Sissi & Franz“, einer lieblichen harmonischen Cuvée aus Portugieser und Dornfelder, präsentieren sie flüssige Lebensfreude mit ihrem 2017er „Für mich soll’s rote Rosé(n) regnen“: viel Frucht, belebendes Aroma von roten Früchten und elegante Würze aus feinem Holz, gepaart mit saftiger Frische.

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We love pink bubbles!

Während es Rosé-Wein (auch wegen seiner vergleichsweise günstigeren Herstellung) noch nicht in das Hochpreis-Segment geschafft hat, gehört Rosé-Champagner mittlerweile zur Champions League unter den Schaumweinen. Noch vor einigen Jahren galt auch er als Nischenprodukt, heute sind Rosé-Champagner hingegen häufig teurer als vergleichbare weiße Schäumer. Besonders deutlich wird das bei Ruinart, deren Rosé fast schon Kultstatus hat, aber auch die Nobellinie Dom Perignon zeigt den Stellenwert des Rosé bei Champagner. Kostet der reguläre Jahrgangs-Dom um die 170 Euro, muss man für ein Fläschchen Rosé der Marke fast 300 Euro auf den Tisch legen.

Und auch im prickelnden Segment braucht sich Deutschland nicht zu verstecken, meint Wein-Experte Armin Busch. „Das traditionsreiche Weingut Reichsrat von Buhl in Deidesheim warb vor wenigen Jahren den Kellermeister des Champagnerhauses Bollinger ab und gab ihm den Auftrag, Sekt auf Augenhöhe mit den besten Champagner-Erzeugern zu machen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, die Sekte des Weinguts werden von der Fachwelt hochgelobt.“ Für Rosé-Liebhaber gibt es gleich zwei Alternativen: Der Basis-Rosé liegt bei knapp unter zwanzig Euro, während der 2013er Rosé Prestige rund 50 Euro kostet. Aus dem Rheingau kommt ebenfalls ein prickelnder Rosé, der mit knapp unter 20 Euro weniger kostet als mancher Champagner, aber mindestens in der gleichen Liga spielt: Der Rosé Brut vom Weingut Künstler in Hochheim.

Pink facts

Rosé gehört weingesetzlich zum Rotwein, muss also aus roten Trauben erzeugt werden. Einzige Ausnahme Sekt und Champagner, hier darf der Rosé aus Weißwein mit einem kleinen Schuss Rotwein erzeugt werden. Die rote Farbe kommt beim Rotwein zum größten Teil aus den Traubenhäuten. Im Gegensatz zum Rotwein bleibt beim Rosé der Saft, der Most, kürzer auf den Häuten, der Maische, deshalb ist die Farbe heller. Je länger der Winzer Traubensaft und Traubenhaut zusammen lässt, desto dunkler ist der Rosé. Die Farbe sagt nichts über die Qualität aus, ist eher eine Frage des Stils. Vom hellen, lachsfarbenen Rosé, wie man ihn aus Südfrankreich kennt, bis zum knall-pinken Rosé, den man z.B. eher in Spanien findet, sind alle Schattierungen möglich. In den letzten Jahren experimentieren einzelne Erzeuger auch mit im kleinen Holzfass, dem Barrique, ausgebauten Weinen, die dann recht kraftvoll und auch geschmacklich vom Holz geprägt daherkommen können und eher zum Essen als auf der Terrasse eingesetzt werden.

THE FRAKFURTER'S choice

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