KEEP CALM AND DECORATE

Die Chance, ein 50er-Jahre-Anwesen in der Nähe von Frankfurt zum eigenen Moodboard mit Pool zu gestalten, ließ sich ein gefragter Interior-Insider nicht entgehen. Für uns öffnete er sein verstecktes Landhaus, in dem die Zeit eindeutig ein bisschen langsamer vergeht.

Wie wohnt einer, der andere mit schönen Dingen glücklich macht? Diskret. In der uralten Linde vor dem Fifties-Haus summen tausende Bienen, wie seit langer Zeit verlassen sieht das Anwesen von der Straße aus. Zwei Hunde schießen schwanzwedelnd zwischen den mächtigen Bäumen hervor, der Hausherr kommt uns mit Gartengerät entgegen. Es gibt Häuser, die warten auf einen, der ihre Seele versteht und für den Architektur mehr ist als vier Wände und ein Dach. So ein Perlentaucher steht vor uns.

Come as you are

Der Himmel blitzblau, schlappe 28 Grad. Im geheimen Garten ist Urlaub. Ein privater Beachclub mit Pool und gemütlicher Liegelandschaft zwingt jeden sofort zur Ruhe, die totale Entschleunigung. Bis weit in den Herbst wird das Wasser mollig warm temperiert. Frankfurt ist eben nicht Hollywood Hills. Heißer ist nur die Sauna mit Glasfront zum Wasser hin, ein Entwurf des Hausherrn und unaufdringlicher Luxus aus Eiche und ukrainischem Nussbaum. Nach Sonnenuntergang, mit Fackeln, Kerzen und Windlichtern, muss dieser Garten genauso wunderbar sein. Tagsüber ein Setting wie ein Kunstzitat. Wir denken an die leuchtend blauen Swimmingpools von Pop-Art-Meister David Hockney – coole Bilder, die zum Rätseln reizen, mit schönen Menschen und wenig Spektakel.

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In the mood

Die Gegend ist ein Juwel wie es im Buche steht, viel Jugendstil, noch mehr Wald. Das 1950 gebaute Haus mit gut 200 Quadratmeter Wohnfläche wurde gründlich modernisiert und perfektioniert. Zuletzt kam der Pool als Hot Spot. „Keine Linie“, untertreibt unser Gastgeber bei der Frage nach seinem Stil. Natürlich glauben wir ihm kein Wort. Denn betritt man die Räume, überwältigt einem ein multisensorisches Erlebnis, das sich im Grunde nur als ein Moodboard der Sinne beschreiben lässt. Flauschteppiche, tiefe Sessel, Kaschmirplaids und designte Raumdüfte lassen hier keinen kalt. Lobby-Jazz, der sich leise ins Ohr kuschelt, schafft Vertrautheit. Selbst im Gäste-Bad und im bestens ausgestatteten Gentlemen-Weinkeller, der früher eine Garage war, scheint jemand am Piano zu sitzen.

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My private paradise

Ich mag zeitlose Möbel, dafür spiele ich mehr mit Farben. Vor allem bei Accessoires lasse ich es gern mal farblich krachen.
Meint er damit auch den kaugummi-pinken Flamingo am Pool, bei dem sich die Hunde einen Spaß machen, indem sie den schrägen Plastik-Vogel umkegeln? „Flamingos sind durch, ich weiß. Bei mir haben sie noch Schonfrist.“ Treiben ihn im Job die Trüffelsuche von Shanghai bis Paris und das Wahrnehmen der wechselnden Trends an, gehen im grünen Domizil die Uhren langsamer. „Dieses Haus ist mein absoluter Rückzugsort, unser Paradies. Eine Alternative wäre nur ein Anwesen am See. Wasser brauche ich in meiner Nähe“, schwärmt der Unternehmer. Dabei kennt er das Element auch von dessen gefährlicher Seite. Als Kind wäre er fast in einem Pool ertrunken, erst in letzter Sekunde zog man ihn aus dem Wasser.
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Mi casa, tu casa

„Wer möchte frische Croissants?“, hört man die Stimme des Hausherrn aus der offenen Küche rufen. „Gern!“, melden wir zurück. Barfuß wie im Badeurlaub – der Hausherr läuft auch ohne Schuhe – stromern wir durchs leicht verschachtelte Obergeschoß, in dem jede Ecke mit Hingabe arrangiert ist. Klassisches wechselt mit Farbexplosionen, Kindheitserinnerungen mit Trend-Gadgets. Man merkt, hier geben zwei ihr Geld am liebsten für gefühlvolles Interieur aus. Charakterstarke Leuchten etwa oder butterweiche Stoffe. Einzig die vielen Kunstblumen sind so eine Sache, auch die ganz teuren kommen nie an natürliche heran... Doch in der Liebe und beim Dekorieren ist alles erlaubt

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Jingle & bells

Wie lebt es sich hier im Winter? „Die jährliche Schlacht mit Bergen von Laub ist geschlagen, das Wasserbecken komplett entleert“, erfahren wir. Wenn draußen der kalte Wind pfeift, räkelt sich die Seele des Hauses bei Schmeichellicht und Kaminfeuer, als hätte sie nie etwas anderes getan. Freunde des Paars kommen vorbei, bleiben zum Essen, manchmal übernachten sie. Diese Oase ist heimelig wie ein Schneckenhaus, und so gesellig wie man möchte. Weihnachten wird wieder ein Fest: „Schon vor dem ersten Advent dekorieren wir mit Lichtern und Kugeln, um möglichst lange etwas davon zu haben.“ Was kommt dem Ästhet nie über die Schwelle? Ein kurzer harter Blick, dann kategorisch: „Nichts aus einem schwedischen Möbelhaus. Das fliegt raus, sollte mir das einer schenken!“