CINEMATIC STORYTELLER

MARKUS HENTTONEN ist ein Fotograf und Filmemacher, der nach verlorenen Paradiesen sucht und den Geist der Freiheit im endlosen Sommer findet. Der Däne, der nur mit natürlichem Licht arbeitet, wurde mit Preisen überschüttet und seine Arbeiten sind in wichtigen Museumssammlungen vertreten. Im THE FRANKFURTER-Interview spricht er über seine liebsten Shooting Locations und was er mit Helmut Newton gemeinsam hat.

Was fasziniert Sie an der Fotografie?

Fotografie ist für mich ein Lebensgefühl. Es ist eine Möglichkeit, die Welt zu sehen und auf sie zu reagieren, eine Möglichkeit, mich auszudrücken. Besonders faszinierend an diesem Medium ist, dass es ziemlich einfach ist, damit anzufangen, aber um es zu beherrschen und mit dem eigenen Stil zu arbeiten, braucht man ein ganzes Leben. Für mich ist Fotografie eine kontinuierliche persönliche Reise mit endlosen Möglichkeiten zu lernen und zu wachsen. Auf einem Foto werden Geschichten sehr subtil erzählt, mit kleinen Details und mit Licht. Ein Foto lässt dem Betrachter Raum für Interpretationen.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Ich lasse mich von allem inspirieren, was ich um mich herum sehe, von Licht, Natur, Music, Architektur, Design, Filmen, Büchern... und natürlich von Menschen.

Fotografie ist für mich ein Lebensgefühl. Markus Henttonen

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Mein Stil ist ehrlich, natürlich, zeitlos und er erzählt Geschichten. Mit natürlich meine ich, dass nicht zu viel inszeniert, gespielt oder konstruiert ist, sondern dass es ein Gesamtkonzept ist. Und natürlich ist natürliches Licht für mich essentiell. Ich ziehe es immer vor, bei natürlichem Licht zu fotografieren. Für mich geschehen vor der Kamera magische Momente, und ich bearbeite meine Fotos nur minimal. Ich möchte mit meinen Bildern auch etwas mehr preisgeben, als das, was man auf den ersten Blick sieht. Es gibt Stimmungen und verschiedene Ebenen zu entdecken. Es ist großartig zu sehen, dass verschiedene Kunden immer öfter exakt meinen Stil wollen und mir auch die Freiheit lassen, so zu arbeiten. Diese Aufträge sind die interessantesten, und in der Regel ist auch der Kunde mit dem Endergebnis sehr zufrieden. Wenn das Vertrauen vorhanden ist, kommen großartige Fotos dabei heraus.

Sie sind in Finnland geboren und haben in Berlin gelebt. Hat Sie die Zeit in Deutschland sehr beeinflusst und warum ist Ihre Wahlheimat derzeit Sitges/Barcelona?

Ich bin nach Berlin gezogen, als ich mich mehr mit der Kunstfotografie beschäftigte und viele Ausstellungen hatte. Ich wollte in der Kunsthauptstadt leben und arbeiten. Meine persönliche Ausstellungs- und Buchreihe Twisted Tales - Road to Hope begann mit meinem Aufenthalt in LA im Jahr 2013 und die dreijährige Arbeit daran prägte meine gesamte Fotografie. Das führte dazu, dass ich mehr und mehr zu meinem eigenen Stil fand und neue Arbeitsweisen entdeckte. Dadurch bin ich von dem, was ich heute als steifes und geplantes Fotografieren mit einer melancholischen und düsteren Herangehensweise sehe, zu einem entspannteren und ehrlicheren Ansatz übergegangen. Ich begann, hauptsächlich natürliches Licht zu nutzen, arbeitete aber weiterhin stark mit der Stimmung. Der Umgebungswechsel von Berlin nach Barcelona entwickelte sich daraus ganz allmählich. Ich habe das Gefühl, dass jetzt mein Lebens- und Arbeitsumfeld und mein gesamter Lebensstil besser zu meiner Persönlichkeit und allem, was ich tue, passen.

Mein Stil ist ehrlich, natürlich, zeitlos und er erzählt Geschichten. Markus Henttonen

Haben Sie Projekte geplant, von denen Sie uns erzählen können?

In letzter Zeit haben wir zum Beispiel interessante Projekte für Marie Claire, Seat und Porsche sowie für Playboy US gemacht. Ein großes Projekt war und ist die Villa Korento, unser von der Mitte des 20. Jahrhunderts inspiriertes Haus, an dem ich zusammen mit meiner Frau Mari, die Produzentin ist, gearbeitet habe. Das Haus und der Garten dienen auch als Setting für Fotoaufnahmen, und über den Sommer haben wir unsere Garage zu einem Fotostudio umgebaut. Zuvor hatten wir schon ein Musikstudio eingerichtet. Das ist meine andere Leidenschaft neben der Fotografie. Ich spiele Gitarre, Bass und Schlagzeug und singe auch in meinem Bandprojekt Mountain Island.

Haben Sie Vorbilder?

Ich habe keine direkten Vorbilder, aber ich denke, dass es während meines beruflichen Werdegangs viele gegeben hat, die mich mit ihrem persönlichen Fotografiestil beeinflusst haben. Helmut Newton zum Beispiel war mit seinem zielstrebigen Arbeiten für mich eine Inspiration. Er hatte seinen eigenen Stil und war in seiner Fotografie oft sprunghaft und mutig. Ich glaube, er hat sich immer wohl gefühlt, zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie zu arbeiten, und mir geht es bei meiner Arbeit genauso, auch wenn viele Leute strikte Grenzen zwischen diesen beiden Bereichen ziehen. Ebenso wie Helmut mit seiner Frau June arbeite auch ich schon seit vielen Jahren mit meiner Frau Mari zusammen.