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THE FRANKFURTER

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BAUHAUS 2019 NEUES FRANKFURT & 100 Jahre später

100 Jahre Bauhaus und dessen quasi gelebte Form, das Neue Frankfurt. Das Thema, das in diesem Jahr weltweit die Diskurse in Kunst, Design und Architektur dominiert, hat in unserer Redaktion zu einigen Kontroversen geführt: Mit der nötigen Ernsthaftigkeit und dem Fokus auf dem durch Ernst May umgesetzten Frankfurter Siedlungsbauprogramm der 20er Jahre will es unsere Autorin und Designexpertin Martina Metzner dargestellt wissen. Auf die Spitze treiben, Grenzen überschreiten, provokant und alles andere als orthodox sein wollte hingegen unser Kreativ-Team bei der Inszenierung der Bilder. Das Ergebnis: ein fundierter, spannender und kurzweiliger Beitrag über das Neue Frankfurt als kulturhistorisches Erbe der Moderne, begleitet von einer Bildstrecke, die Raum für Authentisches im Zusammenspiel mit Designklassikern späterer Epochen, Mode und einer gehörigen Portion moderner Leichtigkeit lässt.

„Wenn das Bauhaus die Akademie der Moderne war, so war das Neue Frankfurt ihre Werkstatt“
Das Neue Frankfurt ist als gebautes Kulturerbe der Moderne allerdings weniger bekannt als das Bauhaus, das dieses Jahr 100-jähriges Jubiläum feiert. Dabei waren die Leitmotive nahezu identisch, und es gab regen Austausch. So hat der Bauhaus-Gründer Walter Gropius am Neuen Frankfurt mitgebaut. Mart Stam, der den Stahlrohrkragstuhl entwarf und Bauhauslehrer war, errichtete in Frankfurt die Hellerhof-Siedlung und das Henry-und-Emma-Budge-Heim. Und 1929 fand in Frankfurt einer der von Le Corbusier ins Leben gerufenen „Internationalen Kongresse für Neues Bauen“ (CIAM) statt, zu dem auch Bauhäusler anreisten.

Am Bauhaus und im Neuen Frankfurt teilte man die gleiche Idee: schnell und kostengünstig, aber dennoch qualitätsvolle Häuser und Einrichtungsobjekte für möglichst viele Menschen schaffen. Ihr gemeinsames Fundament war der lebensreformerische Geist, der in den zwanziger Jahren in ganz Europa erblühte. Man wollte mit einem universalen Gestaltungsanspruch nichts weniger als einen „neuen Menschen“ formen. So sollte den Bewohnern „Licht, Luft, Sonne“ zuteilwerden – durch Terrassen, Balkone, Dach- sowie Hausgärten bis hin zu Grünanlagen. Im Inneren wurde das „neue Wohnen“ durch industriell und seriell hergestellte Möbel aus neuen Materialien wie Stahlrohr bestimmt. Sie etablierten das moderne Design und sollten viele Gestalter der nachfolgenden Generationen inspirieren.

1919 wurde das Bauhaus in Weimar gegründet. Sechs Jahre später zog die Akademie nach Weimar um. Im gleichen Jahr holte der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Ludwig Landmann den Architekten Ernst May an den Main. Mit einer ganzen Brigade an talentierten Architekten entwickelte May von 1925 bis 1930 eines der gewaltigsten Siedlungsbau-Programme der Moderne. Ebenso wie in Dessau-Törten entstanden in Frankfurt Gebäude aus der Retorte: replizierbare Haustypen und vorgefertigte, industriell produzierte Bauteile machten die Errichtung in nur wenigen Wochen möglich. Der Vorläufer des Fertighauses war geboren. So entstanden insgesamt 20 Siedlungen mit rund 12.000 Wohnungen, für die nicht nur neue Straßen gebaut wurden. Für die Siedlungen Römerstadt, Westhausen und Praunheim musste auch die Nidda reguliert werden. Daneben gab es sechs Schulen, ein Krankenhaus und ein Pflegeheim, Pavillons, drei Kirchen, ein Elektrizitätswerk und das I.G. Farben-Haus. Auch die von Martin Elsaesser geplante Großmarkthalle gehört dazu – damals „Gemieskersch“ („Gemüsekirche“) genannt, da der damals größte stützenfreie Innenraum Europas sakral anmutete.

Die Frankfurter Küche

Wenn ich gewusst hätte, dass alle immer nur davon reden, hätte ich diese verdammte Küche nie gebaut! Architektin Margarete Schütte-Lihotzky
Erfunden wurde der Prototyp der modernen Einbauküche 1926 von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky. Sie war übrigens nicht am Bauhaus. Vielleicht zum Glück. Denn das Bauhaus war vor allem ein Männerverein. Studentinnen wurden bewusst klein gehalten. Nicht nur Bauhaus-Lehrer Paul Klee war überzeugt: Genie ist männlich. Was die „Frankfurter Küche“ mit dem Bauhaus gemeinsam hatte, war der Wunsch nach Effizienz. Das Experiment hieß: „Neuer Mensch. Neue Wohnung. Neues Leben“. Die Küche wurde zur Kampfansage gegen den Muff von Generationen. Den späteren Kult darum sah „die Schütte“, Österreichs erste Architektin und NS-Widerstandskämpferin, die nur knapp dem Todesurteil entkam, mit Kopfschütteln.

Die Wohnungen des Neuen Frankfurt waren mit den aktuellsten elektrischen Entwicklungen ausgestattet: Heißwasserboiler, elektrisches Licht, Elektroherd, teilweise Zentralheizung sowie ein Radioanschluss. Außerdem bot jede Einheit ein eigenes Bad mit Sitzbadewanne. Etwas gewöhnungsbedürftig für damalige Verhältnisse war allerdings der sachliche Charakter der Architektur mit den radikalen Flachdächern – ein absolutes Diktum der Moderne. Auch im Inneren galt „form follows function“ mit schnörkellosen Einbaumöbeln und der rational gestalteten Frankfurter Küche. Der Frankfurter Stuhl und die Kaiser Idell Leuchten sind Klassiker aus dieser Zeit, die bis heute Bestand haben.

„Das Neue Frankfurt ist dem Bauhaus in Dessau, Weimar und Berlin und der Weißenhofsiedlung in Stuttgart ebenbürtig“, sagt Konrad Elsaesser, Großneffe von Martin Elsaesser. Daher gilt es, die Moderne vor der eigenen Haustüre neu zu entdecken! Eine gute Anlaufstelle dafür ist das neu eingerichtete Forum Neues Frankfurt. Außerdem widmen sich gleich drei Museen dem Thema: Neben dem Deutsche Architekturmuseum und dem Historischen Museum zeigt das Museum Angewandte Kunst, dass die „Moderne am Main“ viel mehr war als nur Architektur und Design, sondern auch Film, Grafik und Musik hervorbrachte.