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Tigerpalast Frankfurt feiert 30 jähriges Jubiläum

Tigerpalast Frankfurt feiert 30 jähriges Jubiläum

Wenn es eine Kulturadresse gibt, die für das kosmopolitische, weltoffene und avantgardistische Frankfurt steht, dann ist das der Tigerpalast. Und das nun seit 30 Jahren. THE FRANKFURTER lässt das einzigartige Varieté-Theater zu seinem Jubiläum hochleben: mit Star-Kontorsionistin Maria Sarach auf dem Cover und einer atemberaubenden Fotostrecke, in der Fotograf Stefan Gröpper die Anmut und Leidenschaft einfängt, die die herausragende Moskauer Künstlerin mit faszinierender Körperkunst auf der Bühne zeigt. Natürlich gibt es auch einiges zu sagen: über die Kunst, die bewegte Geschichte der letzten drei Jahrzehnte und die Zukunft des kulturellen Frankfurt. Das erledigt, gewohnt nonkonformistisch und in schönen, wenn auch ungeschönten Worten, Palast-Mitbegründer Johnny Klinke im Interview mit Natalie Rosini.

Text: Natalie Rosini

Fotos: Stefan Gröpper

Model: Maria Sarach

Hair & Make up: Art Dylus

Locations: Sveta Art Gallery, Tigerpalast Varieté Theater

Ausgabe: 04/2017

 

Du nennst Frankfurt die Hauptstadt von Deutschland. Warum?

Frankfurt ist die lebendigste Stadt mitten in Europa und ganz sicher die Hauptstadt von Deutschland, was die Energien und die Zukunft angeht, und die Power. Hier sind die Menschen aus aller Welt. 180 Nationen! Dass das friedlich zugeht, das ist eine lange Geschichte, darauf bin ich sehr stolz.

Stolz, weil der Tigerpalast und die Kultur in Frankfurt auch eine Rolle in dieser Geschichte spielen?

Ja! Weil die Kultur generell eine entscheidende Rolle spielt, wenn die Menschen aus aller Welt kommen. Wie auch jetzt die Brexit-Jungs. Die wollen natürlich Bildung für ihre Kinder, gute Schulen, Universitäten, und nicht zuletzt auch Entertainment und Nachtleben. Da hat Frankfurt einst viel aufzuholen gehabt, und in den 70er Jahren fiel dann die Entscheidung, das Museumsufer zu entwickeln. Der Main war eine stinkige Brühe, als ich 1960 nach Frankfurt kam, und die Idee von Hilmar Hoffmann, ein Museum an das andere zu reihen, eine Inszenierung von europäischem Format am Ufer zu entwickeln, war einmalig. Das hat die Stadt entscheidend verändert.

Frankfurt am Main = Metropole am Fluss?

Aber ja! Die Schlüsselszene von Frankfurt ist der Main. Das Zentrum. Die europäische Großstadt definiert sich darüber, ob Wohnen, Leben, Arbeiten zusammenhängen… Inzwischen gibt’s ja auch Wohnen am Fluss. Der Main ist das natürliche Zentrum dieser Stadt geworden, und was da im Sommer los ist, das ist vergleichbar mit dem Seine-Ufer in Paris. Und das alles ist einst angestoßen worden durch Hilmar Hoffmann. Seine kulturelle Offensive ist zum entscheidenden Faktor für die Großstadtentwicklung geworden. Das hat dem internationalen Charakter, den Frankfurt ohnehin als Handelsplatz und als Ziel so vieler Menschen aus aller Welt, nicht zuletzt der Gastarbeiter, hatte, noch eine kulturelle Komponente gegeben. Und daran waren letztlich auch wir nicht unbeteiligt.And you wanted the best from all over the world from the very beginning, right?

Dabei begann das Ganze, wie so vieles in Nachkriegs-Frankfurt, mit der Idee einer Rekonstruktion.

Ja, nach dem Krieg herrschte eine gewisse Ödnis in den Städten. Diese Kultur der Live-Unterhaltung auf der Bühne mit großen Revuen und Boxkämpfen, in der wir vor dem Krieg weltweit führend gewesen waren – wir hatten immerhin 830 Varieté-Theater, große Namen wie Scala und Wintergarten in Berlin, das legendäre Schumann-Theater in Frankfurt – das war alles weg. Und wir haben dann angefangen, diese Großstadtkultur zu rekonstruieren. Dabei wollten wir kein nostalgisches oder alternatives Amateurtheater hier gründen, sondern einen internationalen Schnittpunkt der Menschen aus aller Welt.

Der Tigerpalast

Beheimatet in einer ehemaligen Heilsarmee-Kapelle, die Lage mitten in der Frankfurter City sehr zentral, wenn auch alles andere als 1A, ist der Tigerpalast heute eine weltweit bekannte Adresse für Varieté-Kunst der Spitzenklasse. Gegründet wurde er 1988 von Margareta Dillinger, Johnny Klinke, Robert Mangold und dem leider viel zu früh verstorbenen Kabarettisten Matthias Beltz. Neben erstklassiger Akrobatik goutiert man hier auch exquisite Kreationen aus der Palastbar und dem Tiger-Gourmetrestaurant. Erweitert wird das Portfolio des Gastgebens auf höchstem Niveau in Form der Tiger- und Palmengruppe, zu der seit 2004 das wunderbare Café Siesmayer gehört, sowie seit 2012 das Gesellschaftshaus des Palmengartens mit dem dazugehörigen, sterneprämierten Restaurant Lafleur. www.tigerpalast.de

Und ihr wolltet von Anfang an die besten aus aller Welt, stimmt‘s?

Klar. Das war ein langer Weg, über 30 Jahre. Begonnen hat der Aufbau von Margareta dillingers gelebtem Netzwerk mit Exilkünstlern aus Deutschland. Da es damals keine Varietés hier gab, arbeiteten die meisten in Paris, in den großen Shows im Lido, Folies Bergère, Moulin Rouge oder aber in Las Vegas. Als der Tigerpalast eröffnete, kamen viele von ihnen zurück, darunter zahlreiche Weltstars. Dann kam die zweite Generation, als die Mauern fielen. In Moskau hatte bis dahin der Staatszirkus die Künstler regiert, nun waren das freie Menschen. Wir konnten mit den besten Künstlern direkte Verträge schließen. Dort gibt es ja bis heute richtige Künstlerdynastien, und aus einer solchen stammt auch Maria Sarach. Die ging übrigens zunächst nach Amerika, wie es viele tun… Aber da dort nun die schlechte Laune durch Donald Trump organisiert wird, erleben wir zurzeit die nächste Welle an Rückkehrern.

Eine bewegte Geschichte. Und eine Erfolgsgeschichte.

In der Tat. Der Tigerpalast ist Europas führendes Varieté-Theater. Fast 3 Millionen Besucher in 3 Jahrzehnten! Wir wollten die Großstadtunterhaltung zurückbringen, das Live-Erlebnis, die Glaubwürdigkeit mit solch ungeheuer beeindruckenden Persönlichkeiten, wie es unsere Künstler allesamt sind. Und das haben wir geschafft. Diese Show, die wir heute noch genauso machen wie damals, ist nicht digital, lebt nicht von rauschenden Bühnenbildern und Ausstattung, sondern sie lebt von den Menschen, den Künstlern, die direkt ans Herz der Besucher gehen. Wir haben hier die stärksten Persönlichkeiten in der Artistik, die in acht bis zehn Minuten das ganze Leben, ihr ganzes Leben, zeigen. Und damit erreichen sie die Menschen, die hier sitzen. Die arbeiten vielleicht im Büro, oder sind Kopfkünstler an der Uni, oder Lehrer, oder wer weiß… Und für einen Abend erliegen sie einfach dieser Faszination. Körperkunst trifft Großstadtgesellschaft.Could you give me an example of a project that would be close to your heart?

„Diese Show, die wir heute noch genauso machen wie damals, ist nicht digital, lebt nicht von rauschenden Bühnenbildern und Ausstattung, sondern sie lebt von den Menschen, den Künstlern, die direkt ans Herz der Besucher gehen.“

Und der homo politicus Johnny Klinke? Was sagt der zu diesem neuen Zeitgeist? Was rätst du der “Hauptstadt” Frankfurt in solchen Zeiten?

Uns fehlt ein großer Zukunftsentwurf, eine Idee, wie wir auf Dauer zusammenleben wollen. Denn alles so zu belassen, weil es hier ja besser läuft als woanders, auf Dauer nur Konflikte zu vermeiden, das kann nicht gutgehen. Wir brauchen eine Zukunftsdebatte, wie wir auf Dauer diese erfolgreiche Region weiterentwickeln, und natürlich auch, wie wir die weniger Begünstigten von diesem Erfolg profitieren lassen können. Diese Phase des Ich-Denkens, die wir zurzeit durchlaufen, muss enden. Wir müssen dazu zurückkehren, Bündnisse zu schaffen, wie sie in dieser Stadt schon häufig über parteiliche und gesellschaftliche Grenzen hinweg geschlossen wurden. Die Stadtgesellschaft muss sich verständigen, was sie will. Jetzt wird sich verständigt, dass wir ein großes neues Theater brauchen. Das mag okay sein, oder nicht. Aber wir brauchen auch emotionale Zukunftsprojekte.

Und was wäre so ein Herzensprojekt?

Mein Vorschlag ist ein Festival auf dem Main, 3.000 Menschen auf der Südseite, auf schönen Tribünen, eine schwimmende Bühne, ein bisschen Bregenz, und darauf Oper, klassische Musik, Tigerpalast, Ballett. Die Hochhäuser sind das Bühnenbild. Gute Gastronomie, man sitzt im Sommer im Zentrum der Stadt und genießt Kultur. Vielleicht fangen wir mal mit drei Wochen an. Die Pläne dafür sind da. Es wird vielleicht in den nächsten Jahren der Zeitpunkt kommen, um das zu realisieren. Und damit auch am Ufer ein ganz neues Zeichen zu setzen, ein internationales Zeichen.

La Princesse

Bereits mit 7 Jahren trat sie im russischen Staatszirkus auf, mit 14 wurde ihr der Titel „Prinzessin des russischen Zirkus“ zuteil. Heute mit 24 ist Kontorsionistin Maria Sarach ein Weltstar des Varieté, zeigte ihr atemberaubendes Können unter anderem beim Cirque de Soleil in Las Vegas und jüngst auch bei der Herbstrevue des Tigerpalasts. Dabei ist es nicht allein ihr Können, Kontorsion und Gleichgewichtskünste meisterhaft zu vereinen, welches die Menschen so in ihren Bann zieht: Ihre Anmut, ihr schauspielerisches Talent, die Interaktion mit dem Publikum machen ihre Performance einzigartig. „Ich kenne nicht den Punkt, an dem ich sage, so ist es jetzt gut“, erklärt die Ausnahmekünstlerin. „Ich arbeite täglich daran, mich zu verbessern und Neues in meine Darbietungen einfließen zu lassen. Auch wenn man als Künstler noch so gut trainiert ist, darf man niemals Routine aufkommen lassen. Dann verliert man die Verbindung zu den Menschen und damit das Vermögen, sie zu verzaubern.“

Merci! Thankyou! Spasiva! Danke!

An alle, die unser Special zum 30jährigen Jubiläum des Tigerpalasts möglich gemacht haben! Ein besonderes Dankeschön geht dabei an das Tigerpalast- team Margareta Dillinger, Robert Mangold und natürlich unseren wunderbaren Interviewpartner Johnny klinke sowie last but not least die einzigartige Maria Sarach!

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