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THE FRANKFURTER bittet zu Tisch

Thai Food & Talk mit Peter Fischer

Peter Fischer, 62, gelernter Werbekaufmann, seit 2000 Präsident von Eintracht Frankfurt, seit 2005 stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Anfang 2018 wurde er in seine sechste Amtszeit gewählt. Er lebt in Frankfurt am Main zusammen mit seiner Lebensgefährtin und ihrem gemeinsamen Sohn. Welchen Sport der Funktionär selbst macht, beantwortet er schlicht mit: „ich rede darüber.“

Text: Natalie Rosini

Fotos: Nikita Kulikov

Ausgabe: 01/2018

Groß, laut, direkt. So kennen wir ihn. Dass Peter Fischer seine Meinung stets offen kundtut, passt nicht jedem. Andere wiederum schätzen genau das an ihm. Beim Lunch im Rama V sprach der Präsident von Eintracht Frankfurt mit unserer Chefredakteurin Natalie Rosini darüber, warum es so wichtig ist, für die richtigen Dinge laut zu werden. Und weil die beiden schon sehr lange befreundet sind, verriet er ihr, dass es auch so manches gibt, wo von er leise träumt. Peter kommt gerade aus London, muss nach unserem Term in direkt weiter nach München. Dass er es gewagt hat, sich als Fußball-Funktionär politisch zu äußern und Mitgliedern der AfD das Recht abzusprechen, seinem Verein anzugehören, hat große Wellen geschlagen – national und international.

We are family

Warum aus der Sache nun ein Politikum gemacht werde, versteht Peter Fischer nicht.„Ich schütze doch nur meine Familie. Meine eigene und meine große Eintracht-Familie“, erklärt er und gibt zu, dass ihn die vielen Hassmails und Angriffe in den sozialen Medien schon ganz schön schockieren. „Allerdings bekomme ich auch so viel positive Resonanz. Wie gerade eben vor der Tür, kurz vor unserem Treffen. Da hat ein alter Mann mich noch einmal dazu motiviert, mich nicht verbiegen zu lassen.“ Sichtlich gerührt betont der Eintracht-Präsident, dass ihm solche Begegnungen immer wieder deutlich machen, wie wichtig es sei, den Mund aufzumachen. Laut zu werden. Gegen Diskriminierung jeder Art. Aber vor allem für ein großes Miteinander: „Das steht alles in unserer Satzung. Das hab ich mir nicht jetzt erst ausgedacht. Weit vor meiner Zeit stand da schon geschrieben, Ziel unseres Vereins müsse es sein, Menschen zu integrieren. Und damit sind alle gemeint: Menschen aus anderen Kulturen, mit anderen Religionen, mit verschiedensten sexuellen Orientierungen... aber eben auch die alleinerziehende Mama.“

Big Chef

„Meine Familie und ich gehen sehr gerne hier essen“, sagt Peter Fischer, der ja bekanntermaßen ein großer Thailand-Fan ist. „Wenn du richtig gut und authentisch thailändisch essen möchtest, dann musst du hier ins Rama V kommen!“ Gastgeber Astrit Hajzeraj freut sich über so viel Lob und serviert uns unzählige farbenfrohe und duftende Köstlichkeiten auf großen Platten, „wie es die Thais auch machen. Alles auf den Tisch und kreuz und quer gegessen. Das lieb ich“, schwärmt der Präsident und erzählt uns, dass er selbst auch gerne mal am Herd steht. „Ich mach aber Hausmannskost. Zum Beispiel meine übergroßen Rouladen mit Rotkraut und mindestens fünf Litern Soße. Soße kann nie genug da sein! Meine kann man mit dem Strohhalm trinken.“ Familienmensch Fischer liebt große, bunte Gesellschaften, alle um den Tisch vereint, essend, lachend, diskutierend. „Das ziehe ich jedem großen Society Event vor.“

I did it my way

Das war nicht immer so, gibt er zu: „Früher war ich viel auf irgendwelchen Veranstaltungen unterwegs. Sicher ging es auch ums Lernen und darum, in die Rolle hineinzuwachsen, aber eben auch ein Stück weit darum, sich wichtiger zu nehmen, als man überhaupt ist. Das baut sich dann recht schnell ab. Und irgendwann liest du dann in der Presse, dass du irgendwo VIP-Gast gewesen bist, obwohl du zu Hause auf dem Sofa gelegen hast. Das hat einen weiteren lustigen Lerneffekt.“ Gelernt hat Peter das,was er heute tut, übrigens nicht. „Ich wüsste auch gar nicht, wie man das lernen soll“, lacht er. „Im Grunde ist das, was ich gemacht habe, eine Anti-Karriere. Schule abgebrochen, mit 14 angefangen zu arbeiten.“ Ist von diesem Peter, der dann über Umwege zum Werber, Agenturinhaber und Unternehmensberater wurde, bevor er im Jahr 2000 zum Präsidenten von Eintracht Frankfurt „geworden wurde“, wie er sagt, noch was übrig? „Na klar. Ich hab mich in dem, wie ich ticke, nicht groß verändert. Und ich bin froh darüber, dass ich in genau dieser Zeit auch politisiert wurde. Damals war Frankfurt Hochburg der politischen Proteste. Ich habe viel gelesen, viele spannende Menschen kennengelernt, viel von der Welt erfahren.“ Als kleine Reminiszenz an diese Zeit hängt bei Peter Fischer im Wohnzimmer übrigens das Konterfei von Ché Guevara, gemalt von unserem gemeinsamen Freund Mike Kuhlmann. „Ich bin ein durch und durch politischer Mensch. Auch wenn das, was zurzeit abgeht, nicht unbedingt was mit Politik zu tun hat, sondern viel mehr mit Zivilcourage.“

We are the World

Ja, Peter Fischer hat tatsächlich lange „Reklame“ gemacht, wie er sagt. „Das kann ich relativ vernünftig und gut.“ Also stell ich ihm die Frage, wie er für seinen Verein werben würde? Wie kann man der Welt deutlich machen, dass die Eintracht weit mehr ist als ein Bundesliga-Fußballclub? „Ich würde es wortlos machen. Bei Eintracht würde mir sofort ein Visual einfallen. Und dieses Bild ist super einfach und simpel: Kinder zwischen 6 Monaten und 12 Jahren... Babys, die gerade erst krabbeln, kleine Hosenscheißer, die noch Windeln tragen, beim Turnen. Mädchen und Jungen, die in ihren Judo-, Leichtathletik-, Basketballl-, Eishockey- und Boxmonturen da stehen, eine riesige Gruppe von ganz Kleinen und fast schon Großen, Kinder verschiedenster Herkunft mit verschiedensten Hautfarben, die alle auf ihren Trikots den Adler tragen... Ich glaube, da bedarf es keines Claims. Das ist Kampagne genug.“

United Colors of Bembeltown

„Wir haben über 50.000 Mitglieder. Täglich trainieren in irgendwelchen Bezirkssportanlagen, auf Trainingsplätzen, in Sporthallen und Schwimmbädern 11.000 Mitglieder. Ganz junge, ganz alte.“ Darauf ist Peter Fischer sehr stolz. Und natürlich auch darauf, dass er weltweit noch keinen anderen Verein hat recherchieren können, der so viele Sportarten anbietet: 51 sind es zurzeit, darunter auch Disziplinen, die man vielleicht nicht vermutet wie Ballett, Slackline und Damen-Rugby. Auch E-Sports werden wohl in Kürze den Weg ins Vereinsportfolio finden. Für Peter Fischer, der einen 20jährigen und einen 8jährigen Sohn hat – letzterer trainiert bei Eintracht Frankfurt Capoeira – längst gelebte Realität, wie er nicht ohne amüsiertes Augenrollen zugibt. Falls uns das Bild für seine Eintracht-Kampagne nicht reichen sollte, hat er dann doch noch einen passenden Claim parat: „Seit über 30 Jahren gibt’s bei uns im Eintracht-Block diesen Spruch 'United Colors of Bembeltown'. Diese Aussage trifft bis heute, was unseren Verein ausmacht.“

„Seit über 30 Jahren gibt’s bei uns im Eintracht-Block diesen Spruch 'United Colors of Bembeltown'. Diese Aussage trifft bis heute, was unseren Verein ausmacht.“

 

Private Peter

Seit 18 Jahren lebt Peter nun schon, was er liebt, als Präsident seines Vereins. Gibt's da noch Ziele? Und wie sieht's aus mit der Zeit danach? Ruhestand? Peter in Rente? „Ich kann mir vieles nicht vorstellen. Geprägt durch mein Umfeld – meine Partnerin ist 30 Jahre jünger, ich arbeite mit so vielen Berufsanfängern und Studenten, die Anfang 20 sind, zusammen - lebe ich mit dieser Begrifflichkeit der ewigen Jugend. Und ich muss zugeben, das gefällt mir. Ich erinnere mich an so vieles, was ich erlebt habe, teile mit Kollegen Sorgen und Nöte, gebe Tipps... .“ Und dieser Aspekt, so gibt er zu, sei etwas, das er sich durchaus vorstellen könnte, wenn er mal nicht mehr als Sportfunktionär tätig ist. „Ich würde gerne mit jungen Menschen arbeiten. Lehrend. Mein Wissen und Erfahrungen weitergeben. Allerdings ohne belehrend aufzutreten, ohne Arroganz. Mir wurde schon oft gesagt, dass ich da ein Händchen für habe.“ Und dann ist da natürlich noch der eine Traum, der ihn schon ein Leben lang verfolgt: „Die Sehnsucht nach einem Haus am Meer.“ Wo? „Ich spare mir die Verortung. Ich will mir das Haus am Meer nicht zu klein machen lassen.“

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