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Tagsüber im Museum
von Laurence Opp
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Tagsüber im Museum

Wo sie arbeiten, wird leise gesprochen. Wo sie arbeiten, gibt es Kunst zu sehen. Aufsichten in Frankfurter Museen sind da, wo andere Erbauung und Feelgood suchen. Ohne sie geht es nicht.

Stehen, hinsetzen, stehen, ein paar Schritte. Umgeben von guter Kunst und Kameras, wiegt die Zeit manchmal wie Blei. Cool bleiben auch bei Busladungen von Schülern, Besserwissern und cholerisch polternden Kunsthooligans. Aufsichten sind angehalten, sich behutsam zu nähern und die Besucher freundlich wie unmissverständlich auf Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Da sein, ohne die Besucher zu stören, und doch alles tun, damit der Alarm nicht losgeht. Die Kunst vor Banausen schützen. Nur fürs Dastehen wird hier keiner bezahlt. Präsenz ist das Zauberwort – ein Satz wie „du fasst hier nichts an“ ist tabu wie das Kaugummikauen oder das Dozieren über die Kunstwerke. Aufsichten sind schließlich keine Türsteher oder Kunstvermittler. Aber verdammt gute Menschenkenner. Einige sind schon viele Jahre dabei, kennen Kunstfreunde wie Pappenheimer, und alle ahnen früh, wenn etwas schiefzulaufen droht in ihrem Revier, das sie täglich wechseln.

Museumswärter ist ein altmodisches Wort. Dennoch, gewartet wird viel. Ist das junge Pärchen nicht schon zu lange allein im Kabinett? Lieber mal nachsehen. Ein gesundes Misstrauen gehört zu dieser Arbeit. Es gibt Werktage im Hochsommer, da dreht man als Aufsicht Däumchen, steht einsam im Raum, dann wieder stürmen wie beim Museumsuferfest Tausende ins Haus. Schwere Beine, leichte Löhne, keiner hat sich bei uns beschwert. Sicherheitsfirmen stellen ein, dunkle Textilfarben sind Pflicht und bequemes Schuhwerk eine Notwendigkeit. Diese stillen Leute machen ihren Job gern, auch an Wochenenden und Feiertagen. Man sollte ihnen freundlich zunicken.

DER SCHWEIGSAME

Herbert, 61: „Ich träume nicht von der Arbeit. Ich träume eigentlich nie.“

Viel erzählen mag Herbert nicht. Der Griesheimer arbeitet seit 1,5 Jahren im Städel Museum. Herbert war früher Techniker. Jetzt ist er Anfang 60 und steht manchmal drei Stunden bis zur ersten Pause. Besonders die Impressionisten mag er. Den Schweizer Symbolisten Arnold Böcklin schätzt er auch; im Saal vor dessen Gemälde „Villa am Meer“ möchte der nette Herr mit der Brille fotografiert werden. Nur im Profil, darauf besteht Herbert, der seinen Nachnamen hier nicht lesen will. „Mich fasziniert Böcklins Maltechnik, die Farben, die fast durchsichtige Atmosphäre, das ist so ganz anders als bei den Alten Meistern. Seine Motive regen die Phantasie an.“ Im Saal nebenan geht es um Traumphantasien, nicht sein Ding. Fremde Träume mag er nicht. Wird Herbert nicht gerade nach dem Weg zur Toilette oder zum Ausgang gefragt, erklärt er, wie man zu Jan Vermeers Kult-Meisterwerk „Der Geograph“ kommt. Vor allem Asiaten suchen speziell dieses Bild. Derzeit ist es als Leihgabe unterwegs, kommt erst 2017 zurück.

  • Antoine Watteau. Der Zeichner, bis 15.01.17
  • Franz von Stuck bis Frida Kahlo, 24.11.16 bis 19.03.17

DIE UNERSCHROCKENE

Elvira Foster, 57: „Ich würde gern wie die Alten Meister malen können.“

Wer in der Liebieghaus Skulpturensammlung den Mindestabstand von 50 Zentimeter zum Exponat nicht einhält, lernt Elvira Foster kennen. Die Goldsteinerin ist Mutter von vier Kindern und auch im Museum am Schaumainkai muss sie ihre Augen überall haben. „Fotografieren ist in den Sonderausstellungen nicht erlaubt. Dennoch holen viele ihre Handykamera heraus.“ Ärger gibt es hin und wieder mit den Taschen, die eine bestimmte Größe nicht überschreiten dürfen. Wüste Beschimpfungen kommen dann vor, Elvira Foster bleibt professionell und freundlich. Vor zwei Bronze-Statuen bleibt die Aufsicht stehen, Erechtheus und Eumolpos heißen die griechischen Helden. „Toll, wie diese Repliken gemacht sind.“ Kapitale Körper und nackt wie die Götter sie schufen. Apropos hüllenlos: „Bei der Sonderschau ‚Die große Illusion‘ im vergangenen Jahr war die Figur einer nackten Frau so täuschend echt gemacht, dass zwei Besucher dachten, die Frau sei lebendig. Sie entschuldigten sich bei der ‚Dame‘, drehten sich um und gingen schnell weiter.“ Neun Jahre macht Elvira Foster den Job schon, war in verschiedenen Museen. „An das lange Stehen gewöhnt man sich.“

  • Heilige Nacht. Die Weihnachtsgeschichte und ihre Bilderwelt, bis 29.01.17

DIE KONZENTRIERTE

Nahid Murid, 45: „Machen Sie das Licht an, bat mich ein Besucher im Dunkelraum von James Turrell.“

Darf man im Museum für Moderne Kunst übernachten? Nahid Murid kann es uns sagen. Seit 25 Jahren lebt die studierte Journalistin in Deutschland, in ihrer Heimat Afghanistan unterrichtete sie an einer Schule. Deutsche Worte wählt sie mit schöner Melodie. Erst Aufsicht im architektonischen „Tortenstück“ MMK, seit zwei Jahren sitzt sie dort an der Kasse. „Die Tischgesellschaft“ von Künstlerin Katharina Fritsch ist einer ihrer Lieblinge aus der Sammlung. Lustige Situationen? Kennt sie. „Einmal fragten mich zwei asiatische Besucher, wie viel es denn koste im Museum zu übernachten. Das wollten die beiden auf jeden Fall, und ein Bett – das ‚Bedroom Ensemble‘ von Claes Oldenburg aus dem Jahr 1969 – hatten sie sich auch schon ausgesucht. Das ging natürlich gar nicht.“ Ist das Kunst oder doch nur die Leiter des Hausmeisters, das weiß man in diesem Haus oft nicht auf den ersten Blick. Und im dunklen Gang – „Twilight Arch“ – des Künstlers James Turrell bleibt das Licht aus, das gehört zum Konzept. Basta!

  • MMK 1 (Haupthaus): Fiona Tan. Geografie der Zeit, bis 15.01.17

DIE LACHENDE

Birgit Leue, 53: „Humor ist unterschiedlich.“

Birgit Leue ist guter Laune. Kein Wunder, sie ist Aufsicht im Museum für Komische Kunst. Das Caricatura Museum hat es faustdick hinter den historischen Mauern. „Manche Besucher schmunzeln nur, andere lachen so, dass sie sich fünf Minuten lang nicht beruhigen können. Und es gibt die, die überhaupt nicht lachen.“ Die Maintalerin ist gelernte Chemikantin, arbeitete im Verkauf und zog Zwillinge groß. „Wenn ich auf meinen Beruf angesprochen werde, ist viel Neugier da. Nicht wenige denken an die Hollywood-Komödie ‚Nachts im Museum‘, welche natürlich nicht die Realität darstellt.“ Seit 2008 kennt sie den Museumsbetrieb und auch die Stammgäste, die zwei-, dreimal im Monat vorbeischauen. Eintönig sei es nie. „Viele Besucher verlassen mit einem Lächeln das Museum. Manche sagen, es tue gut hier zu sein, gerade wenn man mal auf fröhlichere Gedanken kommen möchte.“ Witze erzählen könne sie leider überhaupt nicht. Na, gut. Einer geht dann doch: „Ohrenarzt zu einer Blondine: Bitte ihr anderes Ohr zuhalten, die Sonne blendet so.“

  • Stern-Humor. Humor und Satire aus dem Stern Magazin, 10.11.16 bis 12.03.17

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