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Die neue Altstadt Frankfurts
von Laurence Opp
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Die neue Altstadt Frankfurts

Historische Plätze, Gassen und Häuser: Zwischen Dom und Römer lässt sich Frankfurter Geschichte bald hautnah erleben. Die neue Altstadt ist aber nicht als nostalgisches Museumsdorf, sondern als lebendiges Wohnviertel geplant.

Text: Andrea Möller

Fotos: DomRömer GmbH

Ausgabe: 04/2017

„Die Frankfurter sind ein Völkchen, das gerne seine Meinung äußert.“ Mit dieser Grundhaltung, die sich durch alle Lebensbereiche ziehe, gehe sowohl etwas Demokratisches als auch etwas Produktives einher. „Und bei Projekten wie der neuen Altstadt führt es zu besonderen Ergebnissen“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann, bevor er den Stoltze-Brunnen enthüllte. Das Denkmal für den bekannten Dichter und Satiriker war im September nach mehr als einem halben Jahrhundert auf seinen angestammten Platz am Hühnermarkt zurückgekehrt. Dieser bildet eine weitere Etappe auf dem Weg zur neuen Altstadt, die seit 2012 zwischen Kaiserdom und Römerberg entsteht.

„Wir haben sehr hohen Aufwand etwa bei der Natursteinbearbeitung, der Dachdeckerei und dem Fensterbau betrieben“

Michael Guntersdorf – Geschäftsführer DomRömer GmbH

Zeugnisse der Vergangenheit

Ursprünglich war auf diesem Areal das Technische Rathaus zu finden. In seiner knapp 40-jährigen Geschichte konnte der im Stil des Brutalismus errichtete Betonklotz allerdings nur wenige Fans gewinnen. Deshalb hielt sich die Trauer auch in Grenzen, als das Gebäude ab 2010 Stockwerk für Stockwerk aus dem Stadtbild verschwand. Über die so gewonnene Fläche ziehen sich nun wieder die Gassen der im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zerstörten Altstadt. Außerdem sind mehrere Häuser des mittelalterlich geprägten Viertels erneut in die Höhe gewachsen. Insgesamt handelt es sich um 15 rekonstruierte Gebäude aus verschiedenen Epochen.

Zu den ältesten Nachbauten gehört der „Würzgarten“ am Krönungsweg. „Das Fachwerkhaus wurde 1292 erstmals urkundlich erwähnt“, weiß Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH. Vis-à-vis liegt das „Rote Haus“ aus dem 14. Jahrhundert, ein eigenwilliges gotisches Gebäude, das von hölzernen Stützen getragen wird. Wer über den Krönungsweg in Richtung Kaiserdom flaniert, steht am Ende vor der „Goldenen Waage“. Das architektonische Schmuckstück hat ein vermögender Händler 1619 errichten lassen. Durch seine reich verzierte Fassade avancierte es bald zu einer großen Sehenswürdigkeit.

Dass sich die historischen Häuser wiederherstellen ließen, ist einer Vielzahl alter Zeichnungen und Fotografien zu verdanken. Um sie möglichst originalgetreu rekonstruieren zu können, kam quasi an allen Ecken und Enden traditionelles Handwerk zum Einsatz. „Wir haben sehr hohen Aufwand etwa bei der Natursteinbearbeitung, der Dachdeckerei und dem Fensterbau betrieben“, so Guntersdorf. Das verwendete Altholz, beispielsweise für den Laubengang des „Goldenen Lämmchens“, stammt aus ganz Europa. Obendrein sind originale Gebäudeteile auf das Areal zwischen Dom und Römer zurückgekehrt. Eine der sogenannten Spolien, die im Liebieghaus untergebracht war, dient jetzt als Eingangsbereich des „Alten Kaufhauses“.

Mix aus Alt und Neu

Dieses Gebäude zählt aber nicht zu den 15 Nach-, sondern den 20 Neubauten. Schließlich gibt es in den Gassen, die das einstige Viertel erlebbar machen, auch moderne Häuser. „Eine komplett rekonstruierte Altstadt wäre bautechnisch und -rechtlich unmöglich gewesen“, erklärt Guntersdorf. „Außerdem haben wir kein Museumsdorf konzipiert. Wir wollten vielmehr ein Wohnviertel bauen.“ Damit kein architektonisches Durcheinander entsteht, orientiert sich der Stil der modernen Häuser an einer Gestaltungssatzung mit strengen Vorgaben.

Das Ergebnis ist ein homogenes Gebäude-Ensemble, in dem sich 70 Eigentumswohnungen befinden. Die Nachfrage nach den Appartements ist so groß gewesen, dass die DomRömer GmbH eine Verlosung veranstalten musste – obwohl je Quadratmeter zwischen 4500 bis 7000 Euro fällig wurden. Für das begehrteste Objekt, die mit 32 Quadratmetern kleinste Wohnung am Krönungsweg, gab es etliche Interessenten. Um das größte Appartement, das 185 Quadratmeter misst und an der Braubachstraße liegt, hatten sich zwei Käufer beworben.

In den Gebäuden lässt es sich aber nicht nur wohnen, sondern auch einkaufen. Eine breite Palette an Geschäften bringt viel Lebensqualität ins neue Stadtquartier. „Nach heutigem Stand haben wir eine Apotheke, einen Metzger, einen Feinkost- und einen Blumenladen.“ Außerdem gibt es Geschäfte mit Wohnaccessoires, Kleinlederwaren und Abendmoden sowie einen Hutmacher und Juwelier. Ein Großteil der insgesamt 25 Ladenflächen gehört der Stadt. „Die übrigen Eigentümer sind vertraglich gebunden, müssen sich also mit uns abstimmen. Sonst findet sich in den Geschäften am Ende nur das, was den größten Profit einbringt.“

So schmeckt die Altstadt

Beim Altstadtbummel lassen sich natürlich auch Hunger und Durst stillen. In den Gebäuden am Markt 16 und 18 sind zwei Gastro-Konzepte geplant. „Liebling’s Brot & Suppe“ präsentiert sich, wie der Name schon vermuten lässt, als Mischung aus Brotladen und Suppenküche. Im „Brauhaus am Hühnermarkt“ hingegen erwartet das Publikum ein regionales Angebot mit Hauptgerichten für unter 20 Euro. Als Inhaber beider Objekte fungiert Hans-Peter Zarges, der bereits das gleichnamige Restaurant auf der Freßgass’ betreibt. Schwester Birgit, Geschäftsführerin der benachbarten Confiserie, übernimmt die Gastro-Fläche in der „Goldenen Waage“ und will dort ein Café mit typischen Frankfurter Backwaren eröffnen.

Für das Erdgeschoss im Haus am Markt 40 haben Sevilay und Bayram Tulan den Zuschlag erhalten. „Saray Pastanesi“ nennt sich ihr erster Betrieb in der Mainzer Landstraße. Wie schon im Gallus möchte das Ehepaar auch in der Altstadt neben türkischem und portugiesischem Gebäck kleine Mittagsgerichte verkaufen. Die Brüder Zeleke, bekannt aus dem Club „Oye“ im Bahnhofsviertel, sind ebenfalls mit einem Café vertreten – und zwar in der Braubachstraße 31. Dort soll ihre Leidenschaft für Musik eine große Rolle spielen.

Lebendiger Begegnungsort

Und was hat die neue Altstadt sonst noch zu bieten? Während die meisten Abnahmen erst im nächsten März erfolgen, das gesamte Quartier wahrscheinlich ab April erkundet werden kann, hat das Stadthaus bereits geöffnet. Es setzt sich aus fünf Gebäudeteilen zusammen: Ein Veranstaltungssaal für 150 Gäste gehört genauso dazu wie der Ausstellungsraum mit den Funden des Archäologischen Gartens. „Im neuen Viertel kulminiert unsere Stadtgeschichte“, sagt Oberbürgermeister Feldmann. „Gleichzeitig wird es durch die zahlreichen Läden, Restaurants und Cafés ein lebendiger, spannender Ort – ganz im Sinne Stoltzes, der sein Zuhause liebte und sich als ‚Altstädter‘ bezeichnet hat.“

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