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Boeing Stearman über den Dächern von Frankfurt am Main

Boeing Stearman über den Dächern von Frankfurt am Main

Cary Grant warf sich vor ihr ins Maisfeld. Im Film „Der unsichtbare Dritte“ macht sie – schon damals im Gewand eines Sprühflugzeugs – Jagd auf den smarten Schauspieler. Doch die Boeing Stearman, die als „eigenwillig“ zu fliegen gilt, kann noch viel mehr. Für Wolfgang Schröder aus Oberursel und drei befreundete Flugenthusiasten ist sie das „Objekt der Begierde“ schlechthin.

Text: Stephanie Kreutzer

Fotos: Nikita Kulikov

Ausgabe: 04/2017

Die SMS war kurz: „Wäre eine Option, wenn Ihr ‚okay‘ sagt!“ – und unsere ebenso knackige Antwort war: „Passt!“. Damit hatten wir vor rund fünf Jahren zwar auf einen Schlag eine Menge Geld ausgegeben, uns aber auch einen langgehegten Traum erfüllt: eine Boeing Stearman, Baujahr 1942. „Wir“, das sind ein Lufthansa-Kapitän, ein Lufthansa- Techniker, ein Augenarzt aus Bad Homburg und ich, Geschäftsführer einer Softwarefirma in Oberursel, allesamt begeisterte Flieger. Zwei von uns waren damals nach Florida gereist, da die Maschine dort von einem privaten Museum zum Verkauf angeboten wurde, und hatten sie vor Ort testgeflogen. Dann wurde sie zerlegt, in Container verpackt und per Schiff nach Deutschland transportiert. Seitdem ist sie am Flughafen Egelsbach stationiert, wo wir sie wieder zusammengebaut und renoviert, aber nur behutsam modernisiert haben, denn wir fliegen noch „old-style“. Die Stearman wurde lediglich mit einem Funkgerät und einem Transponder ausgerüstet. Ansonsten sind alle Instrumente, der Motor, die Lackierung und selbst das Kennzeichen, noch original. In Deutschland fliegen zurzeit vielleicht 20 dieser Maschinen, die genaue Zahl kenne ich nicht, teilweise aber ausgestattet mit GPS-System oder anderen technischen Hilfsmitteln. Da dieser Doppeldecker einer der bekanntesten und meistgebauten ist – immerhin wurden ab 1934 über 8500 Exemplare als Schulungsflugzeuge für die US-Armee produziert – gibt es auch heute noch Ersatzteile zu kaufen.

Nach 1945 wurden viele Stearman als Sprühflugzeuge – sogenannte „cropduster“ – in der Landwirtschaft eingesetzt. Diese besondere Historie hat Alfred Hitchcock in seinem legendären Film „Der unsichtbare Dritte“ verewigt. Auch unser Exemplar war einige Zeit als Agrarflieger unterwegs, was aus der Lebensakte des Flugzeugs hervorgeht, die uns komplett vorliegt. Um auch in dieser Hinsicht möglichst das Original zu bewahren, haben wir die amerikanische Zulassung bei unserer Stearman beibehalten. Allein der Motorklang, dieses Blubbern des großen 7 Zylinder Continental Motors mit 15 Litern Hubraum, ist für mich pure Musik. Auch in der Luft ist dieser markante Sound schon von weitem zu hören.

Daher macht es immer wieder Spaß, mit der Stearman zu fliegen, und man findet jederzeit Begeisterte, die mitfliegen wollen. Als Pilot sitze ich hinten, und mein Gast muss vorne Platz nehmen. Es gibt natürlich kein Dach, man sitzt völlig im Freien – eben Cabrio-Gefühl und die Freiheit genießen. Ab und zu fliege ich gemeinsam mit Kameraden, die dann eine Piper (J-3) Cub oder die Focke- Wulf Fw 44 Stieglitz steuern, als Oldtimer-Formation über den Flughafen Frankfurt. Wenn man das mit den Lotsen abspricht, ist das kein Problem und sorgt auch bei gestandenen Airline-Piloten für bewundernde Blicke. Insofern sind Flugzeuge wie die Stearman durchaus auch für andere ein „Objekt der Begierde“. Reinsetzen, losfliegen, abschalten – das ist purer Genuss für mich. Gelegentlich sind wir auf Flugtagen vertreten und bieten dort Rundflüge – „zur Förderung der Luftfahrt“ – an oder fliegen für wohltätige Zwecke. Zwei meiner Kollegen machen zudem Kunstflug, immerhin ist unsere Maschine für alle Kunstflugfiguren zugelassen. Letztlich gilt die Stearman als robust und leicht zu fliegen, wenngleich eigenwillig. Denn aufgrund des tiefliegenden Spornrads steht die Maschine mit der Nase in den Himmel, und so kann man als Pilot bei Start und Landung das vorausliegende Gelände nicht sehen. Da muss man im Gefühl haben, wann die Maschine aufsetzt, und bei stärkerem Seitenwind wird dem Piloten ordentlich was abverlangt. Aber gerade für diese Herausforderungen und extremen Situationen lieben wir unsere Stearman!

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