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After the Brexit

After the Brexit

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das gilt auch für die Zeit nach dem Brexit, meint Prof. Dr. Christoph Schalast. Der auf M&A, Real Estate sowie das Bank- und Finanz- marktrecht spezialisierte Anwalt und Notar berät Ministerien und staatliche Institutionen in Transformationsstaaten bei der Rechtsreform und Rechtsangleichung an das Recht der Europäischen Union. Für THE FRANKFURTER fasst er zusammen, was der Ausstieg unserer britischen Nachbarn speziell für den Finanzplatz Frankfurt bedeutet.

Text: Prof. Dr. Christoph Schalast

After the Brexit

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Das gilt auch für die Zeit nach dem Brexit, meint Prof. Dr. Christoph Schalast. Der auf M&A, Real Estate sowie das Bank- und Finanz- marktrecht spezialisierte Anwalt und Notar berät Ministerien und staatliche Institutionen in Transformationsstaaten bei der Rechtsreform und Rechtsangleichung an das Recht der Europäischen Union. Für THE FRANKFURTER fasst er zusammen, was der Ausstieg unserer britischen Nachbarn speziell für den Finanzplatz Frankfurt bedeutet.

Am Freitag, den 24.06.2016, nach dem langsamen Durchsickern des letztendlich doch überraschenden Brexit-Votums der Briten, knallten in Frankfurt die Sektkorken:

Makler und Immobilieninvestoren beziehungsweise -besitzer, unabhängig davon, ob es um Gewerbe oder Wohnraum ging, konnten ihr unverhofftes Glück kaum fassen. Nach ersten Berechnungen würden jetzt bis zu 60.000 gut situierte Investmentbanker im Vereinigten Königreich die Umzugskartons packen und sich in absehbarer Zeit auf den Weg an den Main machen. Und diese Edelmigranten brauchen in der Regel hochwertigen Wohnraum und attraktive Gewerbeimmobilien. Auch die Verlagerung der European Headquarters zahlreicher internationaler Banken von der Themse an den Main schien jetzt realistisch.

Bei dieser Spekulation spielte auch eine Rolle, dass im UK offensichtlich kein „Plan B“ existierte für den Fall, dass eine Mehrheit der Briten aus der EU aussteigen wolle. Vielmehr war die Regierung zunächst damit beschäftigt, sich neu zu sortieren und bis heute (Stand August 2016) liegt noch nicht der notwendige Antrag für die Inkraftsetzung der Austrittsverhandlungen – die dann maximal zwei Jahre dauern dürfen – auf dem Tisch. Was aber auf dem Tisch liegt, ist, dass dieser Austritt sehr viel komplizierter und auch weitreichender ist als es den Briten während der Referendumskampagnen dargestellt wurde.

Doch was bedeutet dies für Frankfurt? Zunächst muss man sich vor Augen führen, dass Frankfurt als Finanzmetropole nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Entscheidung der angloamerikanischen Besatzungsmächte geprägt wurde, hier die spätere Bundesbank anzusiedeln. Davor dämmerte die Stadt seit ihrer unglücklichen Annexion in das Königreich Preußen fast 100 Jahre zuvor vor sich hin. Das Finanzzentrum Deutschland war bis 1945 Berlin, daneben gab es noch Hamburg, München und Düsseldorf. Frankfurt spielte keine bedeutende Rolle. Dies änderte sich dann, als die Bundesrepublik Deutschland 1949 als Multizentren-Staat auf föderalistischen Grundlagen aufgebaut wurde. Zahlreiche Banken, die davor in Berlin angesiedelt waren, wechselten nun nach Frankfurt. Weiter gestärkt wurde diese Position durch die Entscheidung der EU, in Frankfurt die Europäische Zentralbank, die weitgehend nach dem Modell der Bundesbank auf deutsches Drängen hin strukturiert wurde, anzusiedeln. Damit war Frankfurt auf europäischer Ebene zur „Banken-, Finanz- und Regulierungshauptstadt“ geworden. Nichtsdestotrotz entwickelte sich London – nicht zuletzt wegen des Beitritts des UK zur damaligen EWG – zu einem globalen Finanzzentrum und in der englischen Kapitale sind vermutlich mehr Menschen im Finanzsektor beschäftigt als Arbeitsplätze in Frankfurt existieren. Und London hat sich inzwischen wieder auf- gerappelt und liebäugelt damit, durch den – auch bereits im EU-Korsett spürbaren – britischen Liberalismus vor allem innovationsstarke Finanzdienstleister, wie etwa die F inTech-Szene anzuziehen. Hinzu kommt, dass Wett- bewerber wie Amsterdam, Paris oder Luxemburg nicht schlafen und es eigentlich auch keinen natürlichen Zusammenhang zwischen dem Sitz der Bankenaufsicht und den Schaltzentralen der von ihr regulierten Banken gibt.

Daneben sind auch gegenläuf ige Ent- wicklungen zu beobachten: So hat die Frankfurter Börse bereits während der Brexit-Kampagne ihre Absicht verkündet, mit der LSE zu fusionieren und ihren Hauptsitz nach London zu verlegen sowie die künftige Holding als britische Kapitalgesellschaft zu strukturieren. Daran hat sich nach dem – für die Akteure der beiden Börsen sicherlich unangenehmen – Ausgang des Referendums nichts geändert. Zwischenzeitlich haben die Aktionäre – nach anfänglichem Grummeln – mit großer Mehrheit zugestimmt. Wenn nicht die Aufsichtsbehörden, insbesondere die Börsenaufsicht, dem noch einen Strich durch die Rechnung machen – was nicht allzu leicht fallen dürfte, da andere europäische Börsen aus den USA heraus geführt wurden – dürfte für die Institution, die Frankfurt als F inanzplatz für Jahrhunderte geprägt hat, nun das Sterbeglöckchen läuten.

Und ob der Brexit dann dazu führt, dass zumindest mehr Business nach Frankfurt kommt, die Rede ist hier etwa von Euro Clearing, die in Zukunft wohl nicht außerhalb der künftigen EU 27 angesiedelt sein sollen, muss man noch abwarten.

All dies zeigt: Das Spiel ist offen! Frankfurt, London aber auch die anderen europäischen Finanzzentren müssen sich jetzt neu positionieren. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Bedeutung der deutschen Banken gerade durch die Finanzkrise international stark abgenommen hat – ganz im Gegensatz zu ihren angloamerikanischen Wettbewerbern. Auf der anderen Seite: Das kleine Frankfurt mit seinen 700.000+ Einwohnern hatte immer schon einen großen Vorteil gegenüber dem großen London: die Lebensqualität. In Frankfurt ist es eigentlich undenkbar, dass man morgens 90 Minuten in einer leicht verwahrlosten U- oder S-Bahn sitzt, um zum Arbeitsplatz zu kommen. Selbst Pendler aus Limburg sind mit dem ICE nicht viel länger als 30 Minuten unterwegs. Der Taunus oder auch der Frankfurter Süden bieten viele Optionen für attraktives Wohnen im Grünen und auch im Westend sind die Mieten – zumindest für britische Investmentbanker – fast paradiesisch. Und die folgende Legende stimmt wirklich: Banker, die in der Vergangenheit nach Frankfurt versetzt wurden, haben oft deswegen geweint, weil sie London, Paris oder New York gewöhnt waren. Aber die meisten haben ein zweites Mal geweint, als sie gegangen sind. Denn sie haben die kurzen Wege und die damit verbundenen Möglichkeiten für Kultur, Familie und Work-Life-Balance geschätzt. Diese Qualitäten von Frankfurt sollte man niemals unterschätzen.

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